Jahresausstellung des Kunstvereins Ebersberg
Mai 2005
[…] Frappierend zum Beispiel ein Kunstwerk namens "Pelle" von Maria Rucker, das
aus portugiesischem Marmor besteht, aber nicht als Skulptur im Raum steht,
sondern an der Wand hängt. Die Künstlerin hat in eine quadratische Steinplatte
derart raffiniert Linien hinein gearbeitet, daß sie aussieht wie ein tausendfach
vergrößertes Hautstück. Diese provozierte Assoziation menschlicher Wärme und
Nähe steht dabei in starkem Kontrast zur harten Kälte des Materials.
Anja Weindorf
Süddeutsche Zeitung Nr.110 (Landkreis), 14./15./16. Mai 2005
"Haut und Haar"
Kunstverein Trier
6.März bis 18.April 2004
[…] Mit "Haut und Haaren" hat sich die Künstlerin der Darstellung von vorzugs-
weise organischen Strukturen verschrieben. Das Ergebnis ist beeindruckend.
Was sich im Galerieraum in der Karl-Marx-Straße darstellt, ist ein Werk, das
gleichermaßen von feinstem ästhetischen Sinn wie von hohem technischen Können
zeugt. Und Humor hat die Künstlerin auch noch, wie die anmutigen Hügel ihrer
"Nipple-Kunst" belegen und die harmlosen "Blümchen", die sich auf der quadra-
tischen Sandsteinwiese nicht entscheiden können ob sie nun Stoffmuster oder er-
habene Bildhauerkunst sind. Die Natur ist Maria Ruckers Inspirationsquelle. Aus
ihr bezieht die 1961 geborene Bildhauerin, die heute in München und Carrara
arbeitet, ihre Formen.
Vor allem findet sie ihre Bildideen in der menschlichen und tierischen Anatomie.
Deren Ausschnitte legt sie quasi bildhauerisch unters Mikroskop und vergrößert
sie auf extreme Weise. Solcherart dem Auge angenähert, entstehen aus Marmor und
Schiefer ganz neue Körper mit interessanten Strukturen. Was im wirklichen Leben
mehr oder weniger glatt als Oberfläche von Tier- und Menschenhaut erscheint,
wird durch Maria Ruckers "Vergrößerungen" zu ganz neuen Landschaften mit Höckern
und Furchen oder zu einem bewegten Wechselspiel aus Linien und Kurven. Vor allem
die reizvollen Schieferarbeiten gleichen Fossilienfunden aus ferner Zeit.
In der Tat bekennt die Künstlerin:"Versteinerungen faszinieren mich sehr. Wie
ein Abguss geben sie etwas ursprünglich Lebendiges detailgenau wieder." Dennoch:
Maria Rucker will keine Fossilien nachbilden. Genauso wenig geht es ihr darum,
Hautstücke in Stein zu hauen. Ihr "Haut und Haar", ihre "Iris" - die übrigens
eine der hinreißendsten Arbeiten dieser Schau ist - haben sich längst vom kon-
kreten Vorbild gelöst und zu eigenständigen plastischen Kunst-Stücken ent-
wickelt. Wie war das noch mit der Natur und der Kunst, die sich nach Dichter-
fürst Goethes Wort zu fliehen suchen? In Maria Ruckers ausgesprochen sehens-
werten Arbeiten haben sie sich längst Gewinn bringend gefunden. Der Gang in die
Karl-Marx-Straße lohnt sich auf jeden Fall.
Eva-Maria Reuther
Trierischer Volksfreund Nr.84, 8./9. April 2004
Projekt M4 Kroen-Gelände Schwabmünchen
Juni bis September 2004
[…] In ihrer Schwabmünchner Rauminstallation thematisiert Maria Rucker den As-
pekt der Veränderung durch ominöse Vorboten der Zukunft, die in der Gegenwart
bereits präsent sind. Aus Materialien, die auf dem Gelände zu finden sind, hat
sie ein Nest gebaut - "heimlich-heimelig". Darin, geheimnisvoll beleuchtet, ein
Gelege aus zwei riesigen Marmorkugeln. Die Installation wird nicht begehbar,
sondern lediglich von außen durch ein Guckloch an der verschlossenen Tür zu be-
trachten sein.
Der Betrachter wird zum Voyeur. Wie im Wortspiel des Titels angedeutet, befaßt
sich die Arbeit mit dem Heimlichen, Unheimlichen und Heimeligen. "Wer hat sich
da eingenistet?", "Welches Wesen legt diese gigantischen Eier?", "Was wird da
ausgebrütet?" oder ähnliche Fragen werden evoziert. Die Vorstellung von einem
unbekannten Wesen von unbekanntem Ausmaß kann in der Phantasie des Einzelnen die
unterschiedlichsten Formen annehmen. Gleichzeitig ist die Arbeit ein Sinnbild
der verwilderten Idylle, der eine radikale Transformation bevorsteht. […]
Ingeborg Anderson
SZ Nr.145, 26. Juni 2004
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